
"Tailing Loop"
Wurffehler -
und wenn ja, was kann man dagegen tun?
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Was versteht
man unter einem „Tailing Loop“?
Der Name Tailing Loop steht für ein bestimmtes Schlaufenbild.
Die Schlaufe besteht beim Fliegenwerfen aus drei Teilen: Der
Unterschnur (zur Rutenspitze führend), der Oberschnur (zur Fliege
führend) und der Spitze (dem Frontbereich der Schlaufe).
In einer sehr guten zielgerichteten Schlaufe verlaufen die Ober- und
Unterschnur möglichst parallel zueinander.
Beim Tailing Loop
befindet
sich in der Oberschnur eine Welle. Sobald die Oberschnur mitsamt der
Welle die Unterschnur kreuzt, spricht man von einem Tailing Loop.
Befindet sich hingegen
„nur“ eine Welle in der Oberschnur, ohne dass
sich Ober- und Unterschnur kreuzen, so spricht man von einer „Tendenz
zum Tailen“. Siehe hierzu Bild1 unten.
Die
Ursachen
Ein fundamentales Prinzip des Fliegenwerfens lautet:
Die Schnur folgt stets dem
Beschleunigungsweg der Rutenspitze.
Befindet sich jene
charakteristische Welle in der Oberschnur der Schlaufe, so hat die
Rutenspitze auf einem Teil des Beschleunigungsweges einen konkaven Weg
(nach unten/innen gerichtete Kurve) zurück gelegt.
In den allermeisten Fällen führt ein Tailing Loop dazu, dass der Werfer
die Kontrolle über eine saubere Präsentation seiner Fliege verliert.
Es gilt also die tatsächlichen Ursachen für das Erzeugen jenes
teil-konkaven Beschleunigungsweges der Rutenspitze zu eliminieren.
Die Wurffehler, welche zu diesem teil-konkaven Beschleunigungsweg
führen können, sind sehr vielfältig. Nachfolgend finden Sie die
häufigsten dieser Wurffehler.
Typische Wurffehler
1. Eine schlechte
(ungleichmäßige, oft abrupte) Beschleunigung der Rute.
Ein
typisches Beispiel hierfür: Plötzlich zu großer Krafteinsatz im
letzten Drittel des Beschleunigungsweges.
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Die Rutenspitze wird hierbei
kurzfristig stärker nach innen (im vertikalen Wurf unten) forciert.
Ein weiteres typisches Beispiel: Der Krafteinsatz ist nicht optimal an
die zu werfende Schnurmenge angepasst, nämlich ein grundsätzlich
unnötig hoher Krafteinsatz insgesamt. Dies führt schnell zum
Kontrollverlust der guten Beschleunigung.
2. Der Werfer hält sein
Handgelenk
nicht weitgehend inaktiv und setzt dies ebenfalls nicht effizient ein.
Man spricht hier von einem sogenannten „wackeligen“ Handgelenk.
Einige typische Beispiele hierfür:
- Das kurzfristige Einknicken des Handgelenkes während der
Beschleunigungsphase.
- Das Abknicken des Handgelenkes zum Rück-Stopp der Rute und als
Folgefehler das plötzliche Wiedergeradestellen des Handgelenkes kurz
vor dem Stopp der Rute im Vorwurf.
- Das seitliche Ausbrechen der Rute über das wackelige Handgelenk.
3. Eine oder beide der
jeweiligen
Positionen der Rutenspitze im Stopp vorne und/oder hinten weichen
signifikant von der geraden Linie zwischen dem Vor- und Rückwurf ab (siehe
hierzu Beispiel 3 im Bild2 unten).
Die gestreckte Schnur sollte im Vor- und Rückwurf möglichst auf einer
geraden (180°) Linie liegen. Bei sehr vielen Tailing Loops wird die
Rutenspitze im Vorwurf signifikant oberhalb dieser Linie gestoppt.
4. "Creep" (Kriechen)
Während sich die Schnur im aktuellen Wurf noch streckt, „kriecht“ der
Werfer mit der Rute bereits wieder nach vorne. Dies verkürzt den zur
Verfügung stehenden Arbeitswinkel und Zugweg (Schnurhand) für den
nächsten Wurf.
Sobald der aktuelle Wurf abgeschlossen ist, beginnt der Werfer mit der
Beschleunigung für den nächsten Wurf. Den verkürzten Beschleunigungsweg
versuchen viele Werfer typischerweise durch eine sehr starke (abrupte)
Beschleunigung zu kompensieren. Durch diesen (zweiten) Folgefehler
kommt es vielfach zum teil-konkaven Beschleunigungsweg.
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5. Schlechtes Timing.
Das Timing - also der Fliegenschnur nach erfolgter Beschleunigung die
richtige Zeit der Streckung zu geben, stimmt (gerade bei Einsteigern)
oftmals noch nicht sehr gut. Die Trägheit der Masse von dem Teil der
Fliegenschnur, gegen welchen wir die Rute beschleunigen, hängt von der
Menge (Masse) an gestreckter Schnur hinter der Rutenspitze ab. Diese
Menge ist durch das noch andauernde Abrollen der Schnur nicht konstant.
Ein gleichmäßiges Beschleunigen (Laden) der Rute wird als Folge nahezu
unmöglich. Dies
führt schnell zu einem teil-konkaven Beschleunigungsweg.
6. Der Arbeitswinkel
(„casting arc“) der Rute (z.B. 10 Uhr und 14
Uhr) und/oder der Zugweg („casting stroke“) der Rutehand ist nicht an
die
Menge der Rutenbiegung angepasst.
Ein typisches Beispiel hierfür: Sehr kleiner Arbeitswinkel der Rute
(z.B. 11 Uhr und 13 Uhr) bei sehr großer Rutenbiegung.
Die Rutenbiegung hängt im Wesentlichen von folgenden Faktoren ab: Der
vom Werfer eingesetzten Kraft, der Masse an gespannter Schnur hinter
der Rutenspitze (sowie dem Winkel dieser Schnur zur Rute) und der Art
der Rute.
7. Loose Schnur
Loose Schnur zu Beginn der Beschleunigung führt zu einer
unkontrollierten und ungleichmäßigen Aufladung der Rute. Die Folge ist
oftmals ein teil-konkaver Beschleunigungsweg der Rutenspitze.
8. Die Zugunterstützung (Doppelzug) ist zu früh abgeschlossen.
Die Zugunterstützung mit der Schnurhand sollte niemals vor der im
Prozess des Stoppens gerade gestellten Rute abgeschlossen sein. Sonst
entspannt sich die Rute sehr abrupt, wodurch die Rutenspitze zu steil
nach oben schnellt. Es entsteht ein teil-konkaver Beschleunigungsweg.
9. Vor- und Rückwurf
liegen nicht auf einer
geraden (180°) Linie.
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Ein typisches Beispiel: Hoher Vor- UND hoher Rückwurf.
Bei diesem Beispiel kann man in Extremfall sogar ein Tailing Loop
erzeugen, obwohl die Rutenspitze auf einem leicht konvexen
Beschleunigungsweg geführt wird.
10. Die Rutenhand selbst
wird auf einem teil-konkaven Beschleunigungsweg beschleunigt.
Dieser Weg überträgt sich zumeist auf die Rutenspitze. Häufig versucht
der Einsteiger am Schluss der Beschleunigung die Rute nach oben zu
schieben, um dadurch zusätzliche Wurfweite zu erreichen. Die
Rutenspitze erfährt dadurch schnell einen teil-konkaven
Beschleunigungsweg.
11. Im Falle eines klaren
Tailing Loops sind oftmals mehrere
Wurffehler gleichzeitig vorhanden, die zu dem Entstehen eines Tailing
Loops führen.
Dies trifft meiner Erfahrung nach auf mehr als 90%
aller Fälle zu.
Fazit:
Unterm Strich basieren die meisten „Tailings“ auf einer
ungleichmäßigen, abrupten, schlechten oder zu starken Anwendung von
Leistung (Arbeit pro Zeit) innerhalb eines gegebenen Arbeitswinkels.
Die
letzte Bewegung und der richtige Weg der Korrektur
Sehr entscheidend dafür, ob oder wie stark ein vorangegangener
Wurffehler tatsächlich zu einem Tailing Loop oder zu einer Tendenz zum
Tailen führt, ist die letzte
Bewegung
der Rutenspitze während der
Beschleunigung. Wird in der Endphase des Beschleunigungsweges
der
Rutenspitze eine deutlich konvexe Bahn erzeugt (also die Rutenspitze
noch deutlich gesenkt), so können vorangegangene Wurffehler
häufig kompensiert werden, und es kommt nicht zu einem klaren Tailing
Loop.
Die Ursachen im Falle einer reinen Welle in der Oberschnur allerdings
bleiben (wenn vllt. auch in abgeschwächter Ausprägung) stets die
gleichen.
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Der
beste Weg um sein Werfen zu verbessern, besteht darin, die
Wurffehler einen nach dem anderen (möglichst) zu eliminieren. Der
gravierendste Fehler sollte immer zuerst eliminiert oder zumindest
deutlich reduziert werden.
Wichtig hierbei ist es, dass man seine Wurffehler einen nach dem
anderen selber begreift und erkennen lernt.
Oftmals ruft
ein Wurffehler
in der weiteren Wurfabfolge neue Fehler hervor. Diese sind
zumeist
unbewusste Versuche, die Auswirkungen des Erstfehlers zu kompensieren!
Wie kann man sich im
Notfall kurzfristig behelfen?
Den Arbeitswinkel vergrößern, also die Rute vorne und hinten stärker
absenken. Dies kompensiert oftmals einige Probleme im Wurfablauf.
Langfristig gilt es natürlich, die Fehler zu beheben.
Falschinformationen
Viele Informationsquellen (Kurse, Bücher, DVDs und Berichte in
Fachzeitschriften) heben
einen konkaven Beschleunigungsweg der Rutenspitze als Ursache für
Tailing Loops hervor. Tatsächlich ist ein vollständig konkaver
Beschleunigungsweg die optimale Grundlage für den Rückwurf im
Gebetsroither-Wurfstil (siehe hierzu Bild1 unten). Bei einem Tailing
Loop
hingegen liegt
„nur“ ein
teil-konkaver Beschleunigungsweg vor.
Ohnehin
ist der teil-konkave Beschleunigungsweg der Rutenspitze in Wahrheit
"nur" die
Folge eines oder mehrerer Wurffehler!!!
Und eben diese gilt es zu
eliminieren.
Weiterhin wird das Tailing Loop vielfach auch als „Crossing Loop“ oder "sich kreuzende Schlaufe"
bezeichnet (siehe Bild unten). Eine
entsprechende Schlaufe ist
allerdings oftmals eher das Kennzeichen eines sehr guten Werfers,
welcher mit verhältnismäßig wenig Kraft (relativ langsam) wirft.
Solange die Oberschnur der Schlaufe auf Spannung ist, liegt kein
Tailing Loop und keine Tendenz zum Tailen vor.
Abschließende
Tipps fürs Wurftraining
1. Auf eine gute
(gleichmäßige) Beschleunigung achten.
2. Das Handgelenk
zunächst weitgehend inaktiv halten.
Ein kontrollierter Einsatz des Handgelenkes
erfordert
viel Übung und ein vergleichsweise hohes Können.
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3. Die Stopp-Punkte der
Rutenspitze (bei gerader Rute) vorne und hinten
auf der geraden
Linie der gestreckten Schnur zwischen dem Vor- und Rückwurf halten (siehe
hierzu Beispiel1 & 2 im Bild2 unten).
4. Creep vermeiden.
Die Rute in der Position des Umkehrpunktes zwischen
dem Vor- und Rückwurf stoppen und dort belassen, bis der aktuelle Wurf
abgeschlosen ist (Schnurstreckung abwarten).
5. Auf gutes Timing achten.
Der Schnur die optimale Zeit für die Streckung geben.
6. Lose Schnur stets
vermeiden.
Dies gilt besonders zu Beginn eines jeden Wurfes.
7. Den Arbeitswinkel und
die Menge an Biegung der Rute aufeinander
abstimmen.
Dies geschieht in der Praxis hauptsächlich über die
Position der Stopp-Punkte und über die gewählte Schnurgeschwindigkeit
(die eingesetzte Kraft).
8. Die Zugunterstützung
mit der Schnurhand gut auf die Beschleunigung mit der Rutenhand
abstimmen.
Die Zugunterstützung möglichst gut verzögern.
9. Vor- und Rückwurf
sollten auf einer geraden (180°) Linie liegen.
Hoher Vorwurf = tiefer Rückwurf, tiefer Vorwurf =
hoher Rückwurf & Vorwurf horizontal = Rückwurf horizontal.
10. Auf einen guten Weg
der Rutenhand während der Beschleunigung achten.
Hier gibt es je nach Wurfstil viele verschiedene
Möglichkeiten. Achten Sie auf den resultierenden Beschleunigungsweg der
Rutenspitze. Dieser sollte für eine gute (enge und zielgerichtete)
Schlaufe möglichst nahe an der theoretisch optimalen geraden
Linie (Straight Line Path) verlaufen.
Ich wünsche Ihnen eine möglichst erfolgreiche Präsentation Ihrer
Fliege zum Fisch, denn darum geht es letztendlich!
Herzlich Ihr und Euer
Bernd Ziesche |
Bild1:

Bild2:

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Beispiel3
im Bild2: Ein entsprechender Stopp-Punkt muss nicht
zwangsweise zu einer ungleichmäßigen Beschleunigung der Schnur führen.
Mann kann z.B. den Vorwurf (ausgleichend) etwas "absacken" lassen, um
diesen trotz der ansteigenden Beschleunigungslinie im Vorwurf annähernd
horizontal zu halten.
Tatsächlich allerdings liegt in einer entsprechenden vorderen
Stopp-Position oft ein Teil der Ursache für ein Tailing Loop oder eine
Tendenz zum Tailen.
Mein häufigster Tipp
für
die Situation
in Bild 3: Vorne etwas tiefer und hinten etwas höher stoppen
(also im Beispiel3: Arbeitswinkel symmetrisch zur Wurfachse ausrichten).
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Hilfe im Wurfkurs:
Das Tailing Loop (oder die Tendenz zum Tailen) ist eines der
hartnäckigsten Wurfprobleme, mit dem nicht selten deutlich
fortgeschrittene Werfer zu kämpfen haben. Die Ursache(n) zu finden,
bedarf oftmals großer Erfahrung in der Wurfanalyse. An dieser
Stelle
steht und fällt für mich die Qualität eines Wurfkurses. Kann der
Wurflehrer die Ursache nicht finden und dem Schüler helfen, diese zu
beheben, war der Kurs nicht erfolgreich.
Einige Wurflehrer werden Ihnen sagen, diese Meinung sei übertrieben.
Genau daran erkennen Sie, wie richtig ich hier liege.
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Fragen
und Hinweise, die zur Ergreifung eines Tailing Loops führen, nehme ich
hier gerne auf! >>Kontakt
Diesen Bericht als PDF herunterladen: >>Hier klicken!
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